
Aktienbrauerei Kaufbeuren insolvent: Zukunft gesichert – aber über Hälfte der Jobs fällt weg
Aktienbrauerei Kaufbeuren insolvent: Traditionsbetrieb gerettet – mit tiefen Einschnitten
Die Aktienbrauerei Kaufbeuren ist seit Ende August 2026 offiziell insolvent. Doch die gute Nachricht: Der Braustandort in Kaufbeuren bleibt erhalten. Allerdings muss die Traditionsbrauerei mit über 700 Jahren Geschichte einen radikalen Sanierungskurs fahren – inklusive Stellenabbau um mehr als die Hälfte. Für die Region und die deutsche Brauwirtschaft ist dies ein weiteres Signal der anhaltenden Branchenkrise.
Was ist bei der Aktienbrauerei Kaufbeuren passiert?
Am 28. August 2026 wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für die Aktienbrauerei Kaufbeuren (ABK) offiziell eröffnet. Bereits im Juni 2026 hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet, nachdem die Gesellschafter keine weiteren Verluste mehr tragen wollten. Als Hauptgründe nannte Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer exorbitant hohe Energiekosten, überdurchschnittliche Personalkosten und einen im Branchenvergleich zu großen Mitarbeiterbestand. Zusätzlich habe der gesellschaftliche Rückgang des Bierkonsums zu erheblichen Absatzeinbußen geführt.
Trotz der Krise sicherte der Mehrheitsgesellschafter ROKIT-Gruppe die Finanzierung des Sanierungskonzepts zu. „Ohne die erforderlichen Mittel hätten wir das Unternehmen stilllegen müssen“, so Zimmerer.
Warum diese Nachricht wichtig ist
Die Aktienbrauerei Kaufbeuren blickt auf eine Gründung im Jahr 1308 zurück und gilt als älteste noch aktive Brauerei der Stadt. Der drohende Komplettstillstand wäre ein herber Traditionsverlust für das Allgäu und ganz Bayern gewesen. Gleichzeitig zeigt der Fall exemplarisch die strukturellen Probleme der deutschen Braubranche: sinkende Absatzmengen, steigende Kosten und ein intensiver Wettbewerb um Marktanteile.
Für die 84 bisherigen Mitarbeiter bedeutet die Sanierung Unsicherheit. Von ursprünglich 84 Beschäftigten sollen nur noch 38 im Unternehmen bleiben – über 50 Prozent der Jobs fallen weg. Den betroffenen Mitarbeitern wird der Übergang in eine Transfergesellschaft ermöglicht.
Experten-Einschätzung: Chancen und Risiken
Branchenexperten sehen in der Insolvenz der Aktienbrauerei Kaufbeuren sowohl Warnsignal als auch Chance. Einerseits unterstreicht der Fall, dass selbst jahrhundertealte Betriebe nicht vor der Marktkrise gefeit sind. Andererseits bietet die Restrukturierung die Möglichkeit, die Kostenstruktur nachhaltig zu verbessern und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Kritisch bleibt der weitere Verlauf des Biermarkts. Seit 2025 ist der Konsum in Deutschland massiv eingebrochen, was besonders traditionelle Brauereien unter Druck setzt. Langfristige Kundenbindung und regionale Verwurzelung könnten jedoch Stabilität bieten.
Wie geht es weiter? Ausblick und nächste Schritte

Die Aktienbrauerei Kaufbeuren will den Braubetrieb im bisherigen Volumen fortführen. Die Produktpalette – darunter Bier, Biermischgetränke und Limonaden – bleibt erhalten. Allerdings wird die Belieferung von Gaststätten, Veranstaltungen und Handelskunden teilweise an externe Dienstleister ausgelagert, um Strukturen effizienter zu gestalten.
Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer bleibt im Amt und setzt das Sanierungskonzept weiter um. Auch der gerichtlich bestellte Sachwalter Olaf Spiekermann begleitet das Verfahren. Ziel ist es, den Braustandort dauerhaft zu sichern und die gewachsenen Kundenbeziehungen zu pflegen.
Wichtige Fakten zur Aktienbrauerei Kaufbeuren
Gründung: 1308 – eine der ältesten Brauereien Deutschlands
Standort: Hohe Buchleuthe 3, 87600 Kaufbeuren
Mitarbeiter vor Insolvenz: 84 – künftig nur noch 38
Insolvenzgrund: Hohe Energie- und Personalkosten, sinkender Bierkonsum
Produktion: Bier, Biermischgetränke, Limonaden – bleibt erhalten
Häufige Fragen (FAQ)
Ist die Aktienbrauerei Kaufbeuren geschlossen?
Nein. Der Braubetrieb wird im bisherigen Volumen fortgeführt, der Standort bleibt erhalten.
Wie viele Jobs fallen bei der Aktienbrauerei Kaufbeuren weg?
Von 84 Mitarbeitern bleiben nur 38 – über die Hälfte der Stellen entfällt.
Welche Biere stellt die Aktienbrauerei Kaufbeuren her?
Das Sortiment umfasst klassische Biere, Biermischgetränke und Limonaden; die Produktpalette wird nicht eingeschränkt.
Wo kann man Bier der Aktienbrauerei Kaufbeuren kaufen?
Die Biere sind vorrangig im Allgäu, in Schwaben und Oberbayern erhältlich; die Belieferung wird teilweise externalisiert.
Wie lautet die Adresse der Aktienbrauerei Kaufbeuren?
Hohe Buchleuthe 3, 87600 Kaufbeuren, Deutschland.
Fazit: Tradition bewahren – Struktur wandeln
Die Aktienbrauerei Kaufbeuren hat ihre Zukunft gesichert – aber nur durch einen radikalen Sanierungskurs. Der Braustandort bleibt, doch mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze fällt weg. Ob das Konzept langfristig trägt, hängt von der weiteren Marktentwicklung und der Kundenloyalität ab. Für die deutsche Braulandschaft bleibt der Fall ein Mahnmal: Tradition allein reicht nicht – Anpassungsfähigkeit entscheidet über das Überleben.
