
Michelle Bachelet zieht UN-Kandidatur zurück: Rennen um
Michelle Bachelet zieht sich aus Rennen um UN-Generalsekretärin zurück
Michelle Bachelet hat ihre Kandidatur für das Amt der nächsten UN-Generalsekretärin am 19. September 2026 zurückgezogen. Die frühere chilenische Präsidentin gab ihre Entscheidung in einem auf Instagram veröffentlichten Video bekannt. Ihr Rückzug erfolgte einen Tag nach der dritten informellen Abstimmung des UN-Sicherheitsrats. Dabei erhielt Bachelet nach Angaben von Diplomaten nur eine von 15 möglichen „Encourage“-Stimmen. Costa Ricas Rebeca Grynspan lag mit neun solchen Stimmen knapp vor der Guyanerin Carolyn Rodrigues Birkett mit acht.
Warum Michelle Bachelet ihre Kandidatur zurückzieht
Bachelet, die zweimal Präsidentin Chiles war und von 2018 bis 2022 als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte tätig war, hatte ihre Kampagne auf Multilateralismus und internationales Recht ausgerichtet. In ihrem Rückzugsvideo erklärte sie, ihre internationale Arbeit mit derselben Entschlossenheit fortsetzen zu wollen.
Der entscheidende aktuelle Hinweis auf ihre geringe Unterstützung kam aus der dritten „Straw Poll“ des Sicherheitsrats am 18. September. Nach Angaben von Diplomaten und Quellen, die mit dem Verfahren vertraut sind, erhielt Bachelet dabei eine „Encourage“-Stimme, elf „Discourage“-Stimmen und drei „No Opinion“-Stimmen. Die Ergebnisse werden vom Sicherheitsrat nicht offiziell veröffentlicht. Reuters berichtete die Zahlen ebenfalls unter Berufung auf Diplomaten und andere mit dem Verfahren vertraute Quellen.
Damit hatte Bachelet in der dritten Runde deutlich weniger Unterstützung als die beiden führenden Kandidatinnen. Rebeca Grynspan kam auf neun „Encourage“-Stimmen, sechs „Discourage“-Stimmen und eine „No Opinion“-Stimme. Carolyn Rodrigues Birkett erhielt acht „Encourage“-Stimmen, sechs „Discourage“-Stimmen und eine „No Opinion“-Stimme.
Wer jetzt noch für den UN-Posten kandidiert
Nach Bachelets Rückzug verbleiben sieben Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen. Dazu gehören Rebeca Grynspan aus Costa Rica, Carolyn Rodrigues Birkett aus Guyana, Rafael Grossi aus Argentinien, Macky Sall aus Senegal, María Fernanda Espinosa aus Ecuador, Olara Otunnu aus Uganda und Ivonne A-Baki aus Ecuador. Die UN führt diese Kandidaturen in ihren offiziellen Unterlagen auf; Bachelets Kandidatur ist nach ihrem Rückzug nicht mehr Teil des aktuellen Feldes.
Grynspan ist nach der dritten informellen Abstimmung erneut die Kandidatin mit den meisten „Encourage“-Stimmen. Das bedeutet jedoch noch nicht, dass sie als nächste UN-Generalsekretärin feststeht. Auch ein Vorsprung in einer Straw Poll ersetzt nicht die spätere formelle Entscheidung des Sicherheitsrats.
Was ist eine Straw Poll?

Bei einer Straw Poll geben die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats auf geheimen Stimmzetteln an, ob sie eine Kandidatur „ermutigen“, „nicht unterstützen“ oder keine Meinung dazu haben. Die informellen Abstimmungen dienen dazu, die Unterstützung für die einzelnen Bewerber einzuschätzen. Sie sind nicht mit der späteren formellen Empfehlung des Sicherheitsrats gleichzusetzen.
Die dritte Abstimmung war die bislang jüngste Runde. Sie zeigte erneut, dass sich noch kein Kandidat dauerhaft von den anderen absetzen konnte. Grynspan lag zwar vorne, erhielt aber ebenfalls fünf „Discourage“-Stimmen. Entscheidend bleibt außerdem, ob ein Kandidat die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats – China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA – auf sich vereinen kann, ohne dass eines dieser Länder sein Vetorecht gegen die formelle Entscheidung nutzt.
Bachelets Kandidatur hatte bereits im März einen Rückschlag erlitten
Bachelet war am 2. Februar 2026 ursprünglich gemeinsam von Chile, Brasilien und Mexiko für das Amt nominiert worden. Am 25. März teilte Chile den Vereinten Nationen jedoch offiziell mit, dass die Regierung ihre Nominierung zurückzieht. Bachelet blieb anschließend als Kandidatin bestehen, nun getragen von Brasilien und Mexiko.
Auch Reuters berichtete im März über den Entzug der Unterstützung durch Chile. Brasilien bekräftigte wenige Tage später seine Unterstützung für Bachelet.
Der Rückzug im September erfolgte damit nach mehreren Monaten eines Auswahlverfahrens, in dem Bachelet trotz ihrer internationalen Erfahrung keine ausreichende Unterstützung im Sicherheitsrat aufbauen konnte.
Wie wird der nächste UN-Generalsekretär bestimmt?
Das Auswahlverfahren besteht aus mehreren Schritten. Die Mitgliedstaaten schlagen Kandidatinnen und Kandidaten vor. Die Generalversammlung führt anschließend unter anderem öffentliche Dialoge mit den Bewerbern durch. Danach spielt der Sicherheitsrat eine zentrale Rolle: Er muss der Generalversammlung eine Person zur Ernennung empfehlen.
Für die formelle Entscheidung des Sicherheitsrats sind mindestens neun Ja-Stimmen erforderlich. Gleichzeitig darf keines der fünf ständigen Mitglieder ein Veto einlegen. Die geheimen Straw Polls dienen lediglich dazu, die Kräfteverhältnisse vor dieser formellen Phase auszuloten.
Erst nach der Empfehlung des Sicherheitsrats kommt die Generalversammlung zum Zug. Der neue Generalsekretär soll eine fünfjährige Amtszeit antreten, die am 1. Januar 2027 beginnt. António Guterres beendet seine zweite Amtszeit am 31. Dezember 2026.
Was passiert nach Bachelets Rückzug?
Das Rennen geht mit sieben Kandidaturen weiter. Nach der dritten Straw Poll ist Grynspan zwar die Bewerberin mit den meisten gemeldeten „Encourage“-Stimmen, doch die Zahlen zeigen zugleich, dass weiterhin kein formeller Konsens erreicht ist. Bei der Abstimmung am 18. September erhielt auch Rodrigues Birkett acht positive Stimmen.
Ein weiterer Straw Poll ist möglich. Ein konkreter Termin für die nächste informelle Abstimmung wurde nach der dritten Runde zunächst nicht festgelegt. Reuters berichtete zudem, dass weitere Kandidaturen weiterhin möglich sind.
Damit bleibt die Nachfolge von António Guterres auch nach Bachelets Rückzug offen. Die kommenden Beratungen des Sicherheitsrats werden zeigen, ob eine der bestehenden Kandidaturen genügend Unterstützung für eine formelle Empfehlung aufbauen kann.
Warum hat Michelle Bachelet ihre Kandidatur zurückgezogen?
Ihr Rückzug erfolgte einen Tag nach der dritten informellen Abstimmung des UN-Sicherheitsrats, bei der sie laut Angaben von Diplomaten nur eine „Encourage“-Stimme erhielt. Elf Mitglieder stimmten gegen ihre Kandidatur, drei äußerten keine Meinung. Bachelet selbst erklärte in ihrem Rückzugsvideo, dass sie ihre internationale Arbeit fortsetzen wolle.
Wer liegt nach Bachelets Rückzug vorne?
In der dritten Straw Poll vom 18. September erhielt Rebeca Grynspan neun „Encourage“-Stimmen. Damit lag sie knapp vor Carolyn Rodrigues Birkett mit acht Stimmen. Das Ergebnis stellt jedoch noch keine formelle Entscheidung über die Nachfolge von Guterres dar.
Wer sind die sieben verbleibenden Kandidaten?
Im Rennen sind Rebeca Grynspan, Carolyn Rodrigues Birkett, Rafael Grossi, Macky Sall, María Fernanda Espinosa, Olara Otunnu und Ivonne A-Baki.
Warum sind neun Stimmen im Sicherheitsrat wichtig?
Eine formelle Entscheidung des Sicherheitsrats benötigt mindestens neun Ja-Stimmen. Zusätzlich darf kein ständiges Mitglied des Rates sein Veto einlegen. Eine Straw Poll ist allerdings nur eine informelle Abstimmung und noch keine solche formelle Entscheidung.
Wer ernennt den nächsten UN-Generalsekretär?
Der Sicherheitsrat empfiehlt einen Kandidaten. Die Generalversammlung nimmt anschließend die Ernennung vor. Der neue Generalsekretär soll seine fünfjährige Amtszeit am 1. Januar 2027 beginnen.
Wann endet António Guterres’ Amtszeit?
Guterres beendet seine zweite fünfjährige Amtszeit am 31. Dezember 2026. Danach soll der neue UN-Generalsekretär für die nächste fünfjährige Amtszeit übernehmen.
