
GeoLaB im Odenwald: Geothermie-Felslabor geht in die nächste Phase
Einführung
Das GeoLaB im Odenwald kann weiter vorangetrieben werden. Nach umfangreichen geologischen Untersuchungen haben Forschende bestätigt, dass die Tromm-Region in Südhessen grundsätzlich für ein unterirdisches Forschungslabor zur tiefen Geothermie geeignet ist. Damit endet die Erkundungsphase, während nun die detaillierte Planung und das Genehmigungsverfahren beginnen. Das Projekt ist relevant, weil es den sicheren und effizienten Einsatz von Erdwärme aus tiefen, kristallinen Gesteinsschichten untersuchen soll. Geothermie könnte künftig einen Beitrag zu einer klimafreundlicheren und verlässlicheren Wärmeversorgung in Deutschland und Europa leisten.
Was ist beim GeoLaB passiert?
Das Forschungsprojekt GeoLaB – kurz für „Geothermal Laboratory in the Crystalline Basement“ – untersucht, wie sich tiefe Geothermie in kristallinem Gestein kontrolliert und nachhaltig nutzen lässt. Im Mittelpunkt steht die Tromm-Region im Odenwald.
Während der abgeschlossenen Erkundungsphase führten die beteiligten Einrichtungen unter anderem zwei Erkundungsbohrungen mit Bohrkernproben durch. Zusätzlich kamen großflächige seismische Messungen mit dem sogenannten Vibro-Truck sowie weitere Messprogramme zum Einsatz. Das UFZ entwickelte außerdem einen digitalen Zwilling des Untergrunds, der die geologischen Strukturen dreidimensional abbildet.
Die Ergebnisse zeigen drei wesentliche Gesteinsbereiche: Im oberen Abschnitt liegt relativ einheitlicher Granit mit ausreichend Brüchen und geologischen Variationen. Darunter befindet sich eine Übergangszone, gefolgt von metamorphem Gestein wie Gneis. Diese Kombination bietet nach Einschätzung der Projektpartner geeignete Bedingungen für die Geothermieforschung.
Warum der Standort wichtig ist
Tiefe, heiße Gesteinsschichten gelten als bedeutendes, bislang nur teilweise genutztes Energiepotenzial. Besonders kristallines Gestein in großer Tiefe könnte langfristig Wärme für Haushalte, Industrie und kommunale Netze liefern.
GeoLaB soll jedoch kein kommerzielles Geothermiekraftwerk werden. Das geplante Felslabor dient ausschließlich der Forschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen dort untersuchen, wie geothermische Reservoirs erzeugt, überwacht und sicher betrieben werden können.
Für die Region bedeutet das Projekt zugleich Chancen und Herausforderungen. Es kann wissenschaftliche Arbeitsplätze, technische Innovationen und Ausbildungsangebote schaffen. Gleichzeitig sind Fragen zu Grundwasser, Naturschutz, Verkehr, Lärm und möglichen induzierten Erschütterungen von zentraler Bedeutung.
Einschätzung der Forschenden
Nach Angaben der Projektpartner liegt die Stärke des Standorts in der Verbindung von klar erkennbaren geologischen Strukturen und einer für kristalline Reservoirs typischen Komplexität. Dadurch könnten Forschungsergebnisse aus dem Odenwald auf andere geothermisch interessante Standorte in Europa übertragen werden.
Prof. Ingo Sass vom GFZ betont, dass tiefe Geothermie zu stabilen Energiepreisen, einer widerstandsfähigeren Versorgung und größerer Unabhängigkeit beitragen könne. Gleichzeitig bleibt die Technologie mit Risiken verbunden. Vor einer möglichen Nutzung müssen unter anderem die hydraulische Stimulation, die Kontrolle von Druckverhältnissen und der Schutz des Grundwassers zuverlässig bewertet werden.
Wie geht es weiter?
Als nächster Schritt wird der genaue Standort für den Zugangsstollen festgelegt. Außerdem planen die Projektpartner die oberirdische und unterirdische Infrastruktur. Weitere Bohrungen und dreidimensionale geophysikalische Untersuchungen sollen die Planung ergänzen.
Parallel beginnt ein umfangreiches Genehmigungsverfahren. Die Verantwortlichen kündigten an, die laufenden Messungen von Grund- und Trinkwasser fortzusetzen und die Belastungen für Menschen und Natur möglichst gering zu halten.
Die wichtigsten Fakten
Die Tromm-Region im Odenwald wurde als grundsätzlich geeignet für GeoLaB bewertet.
Das Projekt wird von KIT, GFZ und UFZ getragen; weitere Partner sind beteiligt.
Zwei Erkundungsbohrungen, seismische Messungen und ein 3D-Modell lieferten die Datengrundlage.
GeoLaB ist ein Forschungsprojekt und kein geplantes Geothermiekraftwerk.
Nun folgen Detailplanung, zusätzliche Untersuchungen und Genehmigungen.
FAQ
Was ist GeoLaB?
GeoLaB ist ein geplantes unterirdisches Forschungslabor zur Untersuchung tiefer Geothermie in kristallinem Gestein.
Wo soll GeoLaB entstehen?
Als Standort ist die Tromm-Region im Odenwald in Südhessen vorgesehen.
Wird dort Geothermie kommerziell gefördert?
Nein. GeoLaB soll wissenschaftliche Forschung ermöglichen und keine kommerzielle Energiegewinnung am Standort betreiben.
Welche Gesteine wurden untersucht?
Die Untersuchungen zeigen Granit, eine Übergangszone und darunter metamorphes Gestein wie Gneis.
Wann beginnt der Bau?
Ein konkreter Baubeginn steht noch nicht fest. Zunächst müssen Detailplanung, weitere Erkundungen und das Genehmigungsverfahren abgeschlossen werden.
Fazit
Das GeoLaB im Odenwald hat mit der bestätigten Standorttauglichkeit eine entscheidende Hürde genommen. Jetzt stehen Planung, Genehmigung und weitere Untersuchungen an. Ob das Felslabor gebaut wird, hängt von diesen nächsten Schritten ab. Sein Ziel bleibt jedoch klar: belastbare Erkenntnisse für eine sichere, effiziente und nachhaltige Nutzung tiefer Geothermie in Europa zu gewinnen.
